Vom Stammtisch zur Regionalgruppe Wissensmanufaktur

Da das nachfolgend erläuterte Thema eine wesentliche Rolle im Plan B der Wissensmanufaktur spielt, wird es in Rahmen der derzeit sich etablierenden Regionalgruppen  zum festen Bestandteil des Meinungs- und Interessenaustausches, und zwar ergänzend zum hervorragenden und dieses Thema vertiefenden Blog von Steffen Henke.


Fließendes Geld

Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, das Grundrecht sozusagen, für seinen eigenen Lebensunterhalt sorgen zu können. Ein natürliches Grundeinkommen, welches ausschließlich durch die Existenz bedingt wird, könnte uns diesem Ideal näher bringen. Dabei sollte es sich um ein elementares Einkommen aus nicht unmittelbar abhängiger Arbeit handeln, welches uns in die Lage versetzt, uns in einer Weise mit Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft zu versorgen, die der in Artikel 1 unseres Grundgesetzes und damit weltweit einzigartig betonten Würde des Menschen entspricht.

Dieses Einkommen ist naturgemäß nicht leistungslos, denn selbst in einem Schlaraffenland fliegen einem die gebratenen Tauben, der Phantasie zum Trotz, nicht in den Mund. Ein angemessenes Engagement in der Lebensgemeinschaft, die einem dieses Grundeinkommen zugesteht, ist dabei eine durch die Natur bedingte Voraussetzung, was näher zu erörtern, so manchen Stammtisch spannend unterlegen könnte.

Im Waren- und Dienstleistungsaustausch bedienen sich moderne Gesellschaften in der Absicht, Handel auf ein einheitliches Maß abzubilden, des Geldes. Dies setzt allerdings voraus, dass stets eine ausreichende Geldmenge fließt, welche imstande ist, eben diese Waren- und Dienstleistungsmenge auch in etwa zu erfassen. Der Raum, in dem sich dieses abspielt, nennt sich Wirtschaft. Wirtschaft funktioniert, solange ausreichend fließendes Geld vorhanden ist. Entzieht man es ihr, bricht sie zusammen. Geld ist also u.a. ein Katalysator, ein Gleitmittel im Waren- und Dienstleistungsaustausch.

Typisch für die gegenwärtig praktizierte Realwirtschaft ist nun, dass sich durch bisher einseitige Zinsen im Rahmen der üblichen Kreditgeschäfte die Geldmenge bei den Geld besitzenden Kreditgebern anhäuft, was in Zeiten der Marktsättigung dazu führt, dass diese Geldsummen für eher unsinnige, nicht der Allgemeinheit dienende, Zwecke verwendet werden. Dass unter diesen Umständen zum Beispiel jeglicher Spielraum für ein von Abhängigkeiten freies, allein durch Existenz bedingtes, natürliches, Grundeinkommen fehlt, sollte einleuchten.

Diese der Realwirtschaft innewohnende Mißwirtschaft führt nicht nur zur Schieflage des Finanzsystems. Sie findet eine Entsprechung im spekulativen Umgang mit sämtlichen Gütern und Ressourcen, welche für die menschliche Existenz von Bedeutung sind und deren Wägung durch das Geldsystem abgebildet wird, als da wären Grund und Boden, Rohstoffe, Luft und Wasser, Saatgut und Nahrungsmittel, und schließlich im Umgang mit sämtlichen irdischen Mitbewohnern, die letztlich selber zur Ware werden.

Am unteren Ende dieser Kellertreppe verliert auf diese Weise Geld seinen Bezug zu dem, dessen Wert es abzubilden galt, und wird selber zum Spekulationsobjekt.

Da es sich bei dieser Art der praktizierten Wirtschaft um eine globalisierte Wirtschaft handelt, erfahren alle Beteiligten, weltweit, die einen früher, die anderen später, welche Folgen es nach sich zieht, sich auf einer Ebene zu befinden, die diese Bezeichnung nicht mehr verdient, weil sie aufgrund des wachsenden Ungleichgewichtes zunehmend schiefer wird. Die unten sitzen rutschen sofort in den Abgrund, die oben sitzen später.

Kehrt man nun diese einseitige Zinspumpe derart um, dass das Gleitmittel in den Wirtschaftskreislauf zurückfließt, z.B. durch eine Verrottungsgebühr oder Alimentierungsabgabe zu Lasten der Geldbesitzer und zu Gunsten der sogenannten öffentlichen Hand und schafft es parallel, eine verlockende Flucht in Grund- und Bodenbesitz, den Besitz von Wasser und anderen existentiell bedeutenden Ressourcen durch wohl dosierte Abgaben derart zu steuern, dass auch dieser Besitz  auf Seiten einer geringen Zahl von Individuen nicht ins Unermessliche wächst, würde das den Waren- und Dienstleistungstausch beflügeln und damit den Wirtschaftsraum im Interesse Aller beleben.

Kreditnehmer könnten z. B. in die Pflicht genommen werden, für die Dauer ihrer Kredite diese Verrottungsgebühr oder Alimentierungsabgabe zu übernehmen. Damit befänden sich Kreditgeber und Kreditnehmer zum ersten Mal nach Adam und Eva, also seit der Zeit, seit welcher wir nicht mehr im Paradies leben, auf Augenhöhe.

Desweiteren sollte bei der anzustrebenden Steuerung darauf geachtet werden, dass in einem modernen Kreditwesen investive, nachhaltige, Kreditgeschäfte, welche z.B. der Beseitigung maroder Infrastrukturen dienen, einem konsumtiven Kreditgeschäft (klassische Verbraucherkredite) vorzuziehen sind.

Die Frage nach dem Preis eines derartigen Systems erübrigt sich!
Wir könnten uns nicht nur das anfangs beschriebene Grundeinkommen leisten. Wir könnten uns darüber hinaus den Unterhalt wenig effektiver und sich bereits im Zustand der Abschmelzung oder gar Auflösung befindenden Sozialsysteme samt eines Teils der üblichen Steuern sparen. Gewinnen ließe sich auf diese Art eine Menge Kreativität und Freiheit. Und von Freiheit sind wir unter dem Diktat des gegenwärtig praktizierten, weltweit Raub bauenden, Finanzsystems, dessen Nutznießer ganze Staaten zu versklaven offensichtlich als ein ihnen von Gott gegebenes Recht betrachten, weit entfernt.

Ich freue mich auf Menschen, die Lust verspüren und sich die Zeit nehmen, sich miteinander, in geselliger Runde, darüber auszutauschen.

Vorab ist empfehlenswert, sich bereits einmal näher mit diesem Thema zu befassen. Wer tiefer einsteigen möchte, dem empfehle ich das Buch „Das Geldsyndrom“ von Helmut Creutz. Es kann hierüber runter geladen werden.

Professor Michael Vogt im Gespräch mit Professor Wolfgang Berger

Swisttal, im September 2014

Herzliche Grüße!
Paul-Wilhelm Hermsen