Streik

ist nichts anderes, als der Gestank eines gesellschaftspolitischen Misthaufens. Er wird am penetrantesten, wenn die Abfallentsorgung bestreikt wird. Bleibt der Müll liegen, dann kommt früher oder später das Ungeziefer aus den Löchern, aus dem Untergrund, und die Seuchengefahr nimmt drastisch zu. Das ist aber nicht den Müllmännern anzulasten, sondern einer Endsolidarisierungsgemeinschaft.

Folglich läge der Schluss nahe, sich einmal mit dieser Art des unvertraulichen Miteinanders zu befassen. Tatsächlich aber verfahren Politikdarsteller und Medienlakaien, indem sie nicht die Produzenten des Unrates oder das Ungeziefer zügeln. Vielmehr geißeln sie in gewohnter Eintracht diejenigen, die diesen Unrat auch noch beseitigen wollen. Fehler im System werden also nicht dort vermieden, wo sie entstehen, sondern dort bekämpft, wo sie sich bemerkbar machen.

Wer Systemfehler an der Ursache zu vermeiden beabsichtigt, sieht sich hingegen sehr schnell mit der gesamten Palette möglicher Verunglimpfungen konfrontiert, die seitens der bundesdeutschen, mittlerweile kriminell agierenden, Fäkalien- und Trashpresse aus dem Springerverlag angeführt wird, die vor Methoden aus der Zeit des „Stürmers“ nicht zurückschreckt. Da heißt es zwar nicht: „Kauft nicht bei Juden!“ Da heißt die Hetzkampagne: „Geigt dem Weselsky die Meinung!“

Ein entsprechendes Beispiel lieferte aber auch mal wieder die ARD mit diesem Artikel unter tagesschau.de und setzt sich damit an die Spitze der beruflich einäugigen oder gar blinden Medienmarionetten. Zugleich ein Posse darüber, welche Hirnfürze mitunter Journalisten verbreiten.

Außer der Feststellung, dass der mitunter sehr spröde und unbequem auftretende, durchaus zu hinterfragende, Herr Claus Weselsky, Chef der GDL, sich doch tatsächlich angeblich „erdreistet“, das Grundgesetz stets in seiner Jackentasche mit sich herum zu tragen, hat dieser Artikel eigentlich nichts zu bieten. Viel interessanter als diese zweifelhafte Erkenntnis wäre doch z.B., worum es der GDL bei ihrem Streik überhaupt geht?
Von welchem Streikrecht spricht der Verfasser dieser Schmähschrift eigentlich, in dem er das Grundgesetz anführt? Diese Fragen, die eigentlich einmal dringend beantwortet werden müssten, bleiben offen.

Ist der Betonkopf des Herrn Jens Brommann nicht dazu in der Lage, seine Denkprozesse einmal in eine völlig andere Richtung zu lenken? Oder ärgert er sich darüber, dass der von ihm Bescholtene einen noch größerer Betonkopf haben könnte, als er selber?
Sind ihm diese jahrelang recherchierten Fakten, welche sowohl durch das Benehmen der oben erwähnten Klopresse, als auch durch seinen eigenen Hetzartikel besonders drastisch und erneut bewiesen werden, etwa nicht bekannt?
Vermutlich gehört Herr Brommann eben, ohne es selber zu erahnen, geschweige denn zu wissen, diesen Wanderratten an, derer sich die Konzerne bedienen, wenn es um die Verhinderung, Aushöhlung oder gar Zerschlagung von Arbeitnehmerinteressen geht.

Vor diesem Kontext darf auch einmal festgestellt werden, dass es mittlerweile eben nicht mehr nur um Individualinteressen einzelner Berufsgruppen geht, sondern um das Streikrecht an sich. Hier soll doch unter den US-Maximen „Hire and Fire“ und „Teile und Herrsche“ das fleißige Volk untereinander in Stellung gebracht werden. Derlei Artikel haben doch kein anderes Ziel, als Arbeitnehmer gegeneinander auszuspielen und wechselseitige Wut innerhalb der ohnehin bereits endsolidarisierten Gesellschaft zu erzeugen.

Wir, in unserer Rolle als Dienstleistungskunden, sollten uns dadurch nicht erschüttern und entmutigen lassen, auch, mit, oder eventuell jetzt erst recht auf die Straße zu gehen. Wenn schon nicht für die Interessen der GDL, dann doch für die eigenen.
Solidaritätskundgebungen sind nämlich mit einer gewissen Rechtsproblematik belegt. Eine Tatsache, welche das System bereits zu einem gewissen Teil entlarvt.
Solidarität ist also ein Problem.
Aha!

Die Herablässigkeit, welche durch die Systemmedien sowohl der Lokomotivführergewerkschaft als auch der Pilotenvereinigung und den Fluglotsen der Lufthansa immer wieder zuteil wird, zeugt von einem Gespür, dass die Macht, von welcher in diesem schäbigen Artikel die Rede ist, auf der Seite der Herrschenden endlich und zwar völlig zurecht als bedroht betrachtet wird. Da wagen es doch tatsächlich Teile des Volkes für ihre Interessen auf die Straße zu gehen und erlauben sich auch noch, einmal das Grundgesetz als bedingungslosen Konsens zu bewerben?

Richtig so!
Besser mit dem Grundgesetz unter dem Arm für das Streikrecht, als ohne Grundgesetz unter dem Arm gegen das Völkerrecht!

Allein der Umstand, dass die Züge dann eben mal nicht fahren, ist doch kein Problem, welches an den Zugführern und ihrer gewerkschaftlichen Unterstützung oder gar letztenendes den beruflich auf die Bahn angewiesenen Fahrgästen fest zu machen ist; deren Arbeitgeber zeigen nämlich gewiss kein Verständnis für die sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten.
Das ist ausschließlich das Problem der Galeerentrommler und der Betriebe, für die sie trommeln.
Die hektische Arbeits- und Leistungserfordernis zur Aufrechterhaltung eines so nicht gewollten Wirtschaftssystems ist doch der Misthaufen, der den Streikgestank verbreitet.
Den Herr- und Damenschaften in den Chefetagen sei an dieser Stelle einmal ans Herz gelegt, dass die Überdrehtheit des westlichen Wirtschaftszwanges und -wahnsinns vom fleißigen Volk nicht länger ertragen und erduldet wird. Ihren Mentaltrainergurus sei zugleich ins spirituelle Bewußtsein getrommelt: So sieht sie eben auch aus, die dringend erforderliche Entschleunigung.

Einen Anfang machen die Piloten und Lokomotivführer. Hoffen wir also auf eine möglichst fruchtbare Pilotfunktion, auf dass sich die Lokomotive einer dringend erforderlichen Solidaritätsgesellschaft mal endlich in Bewegung setzt, bevor der Kessel explodiert.

Halten wir alle einmal inne und denken an die bei weitem unterbezahlten Menschen, denen wir uns nicht nur zu Dank verpflichtet fühlen sollten, nein, denen wir unsere uneingeschränkte Solidarität zukommen lassen sollten, wenn sie für ihre Achtung und Rechte auf die Straße zu gehen gedenken.
Als da sind, Krankenschwestern, Arzt-, Zahnarzt- Apothekenhelferinnen, Kinderbetreuungskräfte, Hebammen, Pflegepersonal in Heimen und Hospizen.

Da wären im Idealfall übrigens auch noch die Mütter, die sich mit ihrer körperlichen und seelischen Nähe und ihrem unbezahlten, zugleich aber unschätzbaren, äußerst wertvollen, Engagement für die Wiedergeburt und die Karriere der Familie entscheiden würden, statt für ihre eigene, sofern man sie denn nur ließe.

Denken wir auch an das Heer der Kurz- und Zwangsarbeiter aus den stinkenden Kellergewölben privater Leiharbeitsfirmen, die unterbezahlten Angestellten in Großbäckereien und ähnlich strukturierten Betrieben, deren Chefs ihren Hals nicht voll kriegen. Oder die Sozialarbeiter und Polizisten in den Brennpunkten und Schmelztigeln unserer seelenlosen, zunehmend brodelnden, Städte und Ghettos.

Denken wir an die ausgebeuteten Angestellten unserer Supermarktketten, Märkte, die gar nicht so super sind, wie uns der Begriff suggeriert.
Im Hinterland dieses Biotops sorgen Kameltreiber, Plantagenaufseher, Blockwarte und Gauleiter für eine reibungslose und unkritische Umsetzung der Interessen der Marktbesitzer von ALDI, DM, EDEKA, IKEA, KIK, LIDL, MEDIAMARKT, NETTO, PROMARKT, REWE, TOOM.
Damit soll die mitunter seelenlose Zombiekundschaft ungehemmt und, ginge es nach den Eigentümern dieser Märkte, auch noch Sonntags und Feiertags und rund um die Uhr, ihren Einkaufsexzessen frönen.
Dabei wird das Meiste aus diesen Tempeln der unverantwortlichen Völlerei noch weg geworfen, weil es einfach zu viel oder sogar Schrott ist, was da in den Regalen steht.
Die in derartigen Märkten oft nur vereinzelt anzutreffenden, oft völlig überforderten Angestellten, meistens an den Kassen, also dort, wo die Kohle rein kommt, müssen sich auch noch öfter als allgemein vermutet, durch die ebenso überforderte Kundschaft anrüpeln lassen, sollte es einmal nicht schnell genug gehen.

Denken wir an AMAZON, BOFROST, DPD, EISMANN, FIELMANN, HERMES, UPS mit ihrer nicht mehr artgerechten Angestelltenhaltung. Oder sollte es besser Nutz- und Schlachtviehhaltung heißen?

Denken wir an die mittellosen Menschen, die sich derweil in den Suppenküchen und den Tafeln der Republik versorgen lassen müssen, weil man ihnen neben der Hoffnung auch noch das Nötigste weg genommen hat, was zur Aufrechterhaltung einer selbständigen Versorgung erforderlich ist.

Denken wir auch an das Heer der Rentner, denen der Staat die letzten Besitztümer nimmt, spätestens, wenn sie in den Pflegefabriken angekommen sind und dort mitunter von gar nicht bis zu Tode gepflegt werden, je nach Restvermögen.

Wenn sich auch das Grundgesetz nicht in einer klaren Sprache in Sachen Streikrecht zu erkennen gibt, die Landesverfassungen einiger Bundesländer sind da verlässlicher, so lässt sich ein Streikrecht durchaus, allein schon auf Logik fußend, aus dem Grundgesetz herleiten.

Dies alles scheint für den diesbezüglich verdächtigen Gesinnungsjournalisten, Herrn Brommann, von der Schundpresse à la BILD einmal gänzlich abgesehen, keine Rolle zu spielen.
Aber die Tagesshow ist ja bereits gleichfalls für derartige Expertisen auf BILDniveau bekannt.

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