Germanwings Tragödie

Entsprechend der kontinuierlich andauernden Spekulationsschlacht um den mysteriösen Absturz des Germanwingsfliegers steht eigentlich zweifelsfrei fest, dass eigentlich nichts fest steht. Und es keimt vor dem Hintergrund des aktuellen Standes die Frage auf, wer, neben den Passagieren und den Flugbegleitern, Opfer einer etwaigen physischen oder psychischen Störung geworden ist. Ist es der Pilot, ist es der Copilot? Sind es nicht auch die rücksichtslos umtriebigen Journalisten auf ihrer Jagd nach vorläufigen Ergebnissen? Ist es die Öffentlichkeit? Sind es gar die staatsanwaltlichen Ermittler, deren Ermittlungen stets von einem ungeheuren Druck begleitet werden? Die Intensität der Spekulationswut jedenfalls lässt zweifelslos erkennen, dass die Gier der Öffentlichkeit jenseits jeder Rücksichtnahme selber als krank bezeichnet werden muss.

Nebenbei wird erneut auf schmerzliche Weise deutlich, wie nahezu schizophren pervers die westliche Wertegemeinschaft zwischen vergleichbaren Verlusten an Menschenleben unterscheidet. Sei es nun im Angesicht der Boatpeople vor der südeuropäischen Küste oder in Anbetracht des mittlerweile auch auf europäischem Boden durch Krieg verursachten Mordens. Mit jedem weiteren deutschen Opfer unter den Passagieren stieg die durch die Medien nahezu herbei gepeitschte Anteilnahme und Fassungslosigkeit. Es ist immer wieder empörend, dass die nationale Zugehörigkeit der Opfer überhaupt eine Rolle spielt.

„Ich weiß, dass ich nicht weiß!“ Dieser Satz entsprang dem Mund eines genialen Denkers, Sokrates, so wurde es jedenfalls von Platon übermittelt. Und bereits darüber, wie dessen im Rahmen einer Verteidigungsrede getätigte Aussage zu deuten ist, gibt es umstrittene Meinungen.

Aktuell haben TV und Printmedien aufgrund dezenter, deshalb aber nicht minder ungewöhnlicher bis fahrlässiger, Äußerungen seitens des ermittelnden französischen Staatsanwaltes bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt zu der Erkenntnis geführt, dass der Copilot den Absturz bewusst herbei geführt hat. Äußerst starker Tobak! Unter dieser Betrachtungsweise gerät der Copilot, und das, obwohl bisher jegliches Motiv fehlt, in den Dunstkreis eines Anders Breivik. Jüngst wird allerdings eine eventuelle Erkrankung, wie eine mutmaßliche Depression oder Psychose, zur Erklärung heran gezogen. Damit wäre dann ausgeschlossen, dass es sich um eine Aktion gehandelt hat, bei welcher der Copilot im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war, und er wäre damit vom Täter zum Opfer mutiert. Zweifelsohne die einfachste von verschiedenen Möglichkeiten. Beides riecht nach Bauernopfer und ist außergewöhnlich schwer vorstellbar.

Der bisherige Stand der Ermittlungen lässt das eigentlich in letzter Konsequenz auch nicht zu. Dennoch greift diese These allmählich, bis tief in das Bewußtsein der Öffentlichkeit, schonungslos um sich. Was damit den Hinterbliebenen des Copiloten zugemutet wird, entgeht allen Beteiligten offenbar auf nahezu idiopathische Art und Weise. Schwer vorstellbar, dass sich diese Erklärung noch einmal revidieren lässt. Und genau darin besteht die Tragik der alle Beteiligten, bis hin zu den Opfern, ausgesetzt sind. Es gibt zudem offenbar eine hohe, gefühlte, Neigung, diese außergewöhnlich schräge Erklärung, der Copilot sei ein Killer, zu akzeptieren.

Erfahrungsgemäß sind die ersten veröffentlichten Untersuchungsergebnisse, wenn es dabei um Schuldzuweisungen geht, voreilig und entsprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht der Wahrheit. Und es ist bei derartigen katastrophengleichen Unglücken erstaunlich, wie schnell aus der Anonymität eines Konzerns, hinter welcher sich eher zu verstecken ein ehrgeiziges Unterfangen ist, dann doch plötzlich eine einzige, zudem noch selber getötete, Person als Hauptverantwortlicher hervorgezaubert wird, obwohl dieses Ereignis und jenes Wissen, prinzipiell betrachtet und zu Lasten des Konzerns, einen ganz anderen Ablauf des Unglücks durchaus möglich erscheinen lässt.

Dazu gesellt sich die Frage, wem nützt die CoPilotenVersion, wem schadet sie?
Was aber legen die in diesen beiden Artikeln beschriebenen nüchternen Tatsachen offen?

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